Was haben wir da groß gezogen?
Gespräche mit unserer Tochter sind Highlight und Challenge zugleich. Aufgrund ihres altersbedingt verschobenen Tag-/Nachtrhythmus und ihres dicht gefüllten Freizeitkalenders finden diese meist gegen Mitternacht statt. Es sind Gespräche mit einer sehr humorvollen Frau mit Tiefgang, die kritisch nachfragt, ihr eigenes Verhalten reflektieren und klar eine eigene Meinung formulieren kann. Da heißt es wach bleiben, sonst werden wir argumentativ schnell an die Wand diskutiert.
20 Jahre Eltern sein heißt: 20 Jahre lang nicht wissen, ob das was man seinem Kind seit Stunde 0 so alles sagt, vorlebt, beantwortet, gibt, zeigt, erklärt – einen liebenswerten und selbständigen Menschen ergeben wird, den man alleine in die Welt hinauslassen kann. Sofort wenn frau ihre Schwangerschaft mitteilt, wird ihr vom nahen und fernen Umfeld ungefragt erklärt, wie das denn so funktioniert das Mutter-Sein, was richtig ist und was sicher ganz falsch.
Rabenmutter
„Was, du arbeitest schon wieder?“ fragten sie mich, als mir nach dem Mutterschutz im Kopf sehr schnell sehr langweilig wurde und ich für zwei Tage pro Woche arbeitete und ein Projekt leitete. Der Tonfall dieser Frage vermittelte mir meist das irre Gefühl, ich würde mein Kind während dieser Zeit im Kinderwagen am Parkplatz stehen lassen und mich nicht gut genug um sie kümmern.
„Was, du gehst mit eurem Kleinkind ohne deinen Mann ins Ausland?“ fragten sie mich, als ich im Konzern die Chance für einen Aufenthalt in der Schweiz nutzte und mit meiner 3,5 jährigen Tochter für ein halbes Jahr Wohnsitz und Kindergartengruppe wechselte, während mein Mann ein Projekt in Ungarn leitete. Eigentlich wollten sie sagen, dass wir komplett durchgeknallt wären.
„Was, du wirst Personalleiterin in Vollzeit und ihr nehmt ein AuPair zu euch ins Haus?“ fragten sie mich, kurz bevor meine Tochter in die Volksschule kam. Jetzt war ich endgültig die Rabenmutter, die ihr Kind unüberlegt fremden Menschen in die Hand drückte und nur ihre Karriere im Kopf hatte.
Unsere AuPairs hatten eingekauft und gekocht und wir hatten Zeit, beim Abendessen gemütlich zu plaudern. Karin erzählte von ihrem Tag, wie wir von unserem. Noch heute erinnert sie sich, wie sie in ihrem Hochsessel saß und mitredete. „Was meinst du, das Projekt läuft schief?“ fragte sie und wir lachten, weil wir plötzlich ihr Bild von einem Wesen, das „schief läuft“ im Kopf hatten.
Das haben wir davon
Jetzt kurz vor der Matura sprechen wir viel über die Zeit danach. So viele Möglichkeiten, nichts entschieden. „Natürlich möchte ich Führungsverantwortung übernehmen, was sonst?“ sagt sie mit einer Selbstverständlichkeit, die uns fragen lässt, ob wir ihr unbeabsichtigt eingeredet haben, dass es so sein „muss“. Wir betonten doch immer, sie solle bitte das machen, was ihr Spaß macht. Dann sagen uns ihre Lehrer: „Na klar wird Karin Führungskraft werden, wer, wenn nicht sie?“
Vielleicht hätte ich in der Schwangerschaft doch die Spieluhr mit Mozartmusik auf meinen Bauch legen und nicht ein Führungskräfteentwicklungsprogramm moderieren sollen. Als Ungeborene mit Grundlagen der Führungskompetenz beschallt, in der Stillzeit Projektmanagementskills mit der Muttermilch mitgeliefert, im Kindergarten bereits das Auslandssemester absolviert. Wenn ich das jetzt so lese, wirkt das, als hätte ich mit aller Gewalt versucht, mit meiner Tochter die Frauenquote zukünftiger Führungsetagen dieses Landes zu heben.
Doch heute sagt sie: „Eure Jobs waren immer Teil eures Lebens und ihr habt mich daran teilhaben lassen, an allen Höhe- und Tiefpunkten. Es ging nie darum, was ich irgendwann tun oder nicht tun soll. Sondern darum was ihr jetzt gerade macht und wie ihr damit umgeht. Und davon habe ich gelernt.“
Wow! Darf man als Mutter stolz sein? Darf ich laut hinausrufen: „Schaut her, das ist MEINE Tochter!?“
Schon höre ich die Stimmen, die sagen: „Ja, mit einem Kind ist das ja alles kein Problem. Stell´ dir vor, du hättest zwei oder drei, da wäre das alles nicht mehr so einfach…..“. Moment. Wer hat behauptet, dass Mutter-Sein irgendwann einfach ist? Lauter Tage voller Sonnenschein, Luftballons und Himbeereis? Nein, phasenweise war es verdammt anstrengend. Nicht wegen dem Kind, sondern wegen des Lebens insgesamt.
Was ich allen jungen Frauen laut hinausrufen möchte: Eine „gute Mutter“ ist für mich eine Frau, die sich selbst und den eigenen Bedürfnissen treu bleibt. Und vor allem: eine Frau, die nicht alles alleine macht. Mein erfülltes Leben als voll berufstätige Mutter war möglich, weil ich viele Menschen um mich hatte, die sehr viel beigetragen haben, dass jetzt eine erwachsene, selbstbewusste Frau dasteht, die über sich selbst lachen kann. Mein Mann, die Großeltern, unsere AuPairs, Freunde.
Und in manchen Momenten habe ich mir Hilfe bei professionellen Coaches geholt. Nicht oft, aber immer dann, wenn ich die Antwort auf die Frage „und jetzt?“ nicht sehen konnte.
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